
Die Diebel – Gute Nachricht für DICH
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Die experimentelle Kunstagentur Die Diebe wurde am 1. April 2017 offiziell als Verein gegründet und bestand bald aus gegen hundert Mitgliedern, aktiv waren davon zwei. Am 1. April 2025, zum achten Geburtstag, lösen sie sich auf und treiben ihre Machenschaften wieder im Untergrund, im Äther und in der DNA. Die Gefolgschaft machte es sich darum zur Aufgabe, eine Sammlung diebischer Schriften zu einem ersten Testament zusammenzuführen.
Bei einer gottgläubigen, allumfassenden Seinsvorstellung handelt es sich dabei folgerichtig um ein vollgültiges Gotteswort – und eine tiefgründige Auseinandersetzung damit ist fürs Menschsein die kleine Kür.
Im Nordosten kämpft jemand östliches gegen jemand westliches für eine Idee von Richtigkeit. Etwas südlicher wirkt es nicht minder konstruiert. Wir Westler wappnen uns derweil fürs Schlimmste. Ist es noch Wrestling, wenn gestorben wird? Dieb zu sein bleibt weiterhin salonfähig – ebenso wie die Sprache des Krieges. Laut posaunen sie von allen Seiten: auf den sozialen Plattformen, an den Stammtischen des Apokapitalismus, im Bundestag und in der Arena. Jede und jeder auf dem eigenen kleinen Podestchen, einfach nicht mehr nur auf dem Dorfplatz. Hetze um der Hetze willen – solange ich wenigstens einmal etwas spüre. Dann folgt das Reel, in dem frei und einseitig unter die Gürtellinie gezielt wird. Schulterklopfen auf beiden Seiten. Feindbilder stiften zumindest ein Gefühl von Zusammengehörigkeit – egal auf wessen Kosten, solange ich endlich nicht so verdammt alleine bin.
Radikalität ohne Wurzeln in der Natur fliegt davon, Zerstörung säend, bis zur eigenen Bruchlandung. Am liebsten würden wir davon gar nichts bemerken. Doch wir sind Menschen – und damit unweigerlich Teil der kollektiven Erfahrung. Es schien einmal friedlich zu sein. Es schien, als hätten wir einander zugehört. Vielleicht war das nur jugendliche Naivität. Oder Scheuklappen, die mit der Übung des nüchternen Hörens und Sehens allmählich löchriger wurden. Wir schweifen ab.
Es war einmal ein Konstantin, der beschloss, den Hauptsitz des Römischen Reiches nach Istanbul zu verlegen. Rom und den Westen gab er preis – der schien auch nicht sonderlich relevant. Kalt, brach, voller Bäume und allgemein unzivilisiert. Wie erfolgreich seine Parallelreligion werden sollte, überraschte wohl alle. Weder er noch die unzähligen Akteure der diversen Glaubensmächte im Laufe der Zeit bis zum Postkolonialismus ahnten – manche hofften wohl–, dass daraus – genährt durch zwinglianische Strenge, durch Reformen und Befreiungsbewegungen – eine Arbeitsmoral erwachsen würde, die Menschen zu freiwilligen Sklaven machte. Vielleicht aber ist der Kapitalismus schlicht die menschenfreundlichste Form gesellschaftlicher Regulierung: eine Mischung aus Wohlstand, Faulheit, Bequemlichkeit und lebensphilosophischer Übereinkunft. Am Ende sind wir global doch beinahe alle auf einem ähnlichen Stand. Zukunft gibt es nur in der Gegenwart. Und die Vergangenheit?
Konstantinopel wurde geplündert, und zurück blieben zwei künstlich gezogene Fronten: die Orthodoxen, die sich auf die alte Legitimität des Kaisers stützten – eines Kaisers, der zugleich «Gott» war – wobei die Unrichtigen, die sich ebenso als «Gott» verstanden, die «Richtigen» bis heute nicht anerkennen. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Wir lügen, weil wir Angst vor der Wahrheit haben. Angst vor der Gemeinsamkeit, Angst vor der Auflösung, ja vor der völligen Versinnlichung des Ichs. Dieser Angstzustand ist die einzige Konstante unserer Gesellschaft. Ist es noch lügen, wenn es keine Wahrheit gibt?
Und trotz allem sind wir da! Gemeinsam, wach, reflektierend, innere Stürme zulassend – dir mag das vertraut sein. Die Aufgabe der Diebe ist das Vorhalten des Spiegels. Doch Spiegelreflexion funktioniert nicht, wenn jede Fratze gefällt. Spiegel werden nun selbst in die Hand genommen, in Kameras verwandelt und die Signale rund um den Globus gejagt. Dafür braucht es neue Herangehensweisen. Ist etwas noch symmetrisch, wenn es sich unendlich vervielfacht?
Hinzu kommt: In Zeiten der Aufrüstung wird des Menschen diebische Natur allzu offensichtlich. Jetzt wird allerorts Klartext geredet, weiter schön um den Brei herum. Europa bereitet sich auf den Krieg gegen den Osten vor, nördlich, südlich, wo er eben liegt. Oder gleich gegen Amerika? Oder doch lieber direkt gegen sich selbst? Hauptsache Vorbereitung. Hauptsache Ängste schüren, fleissig produzieren und sorglos ganz weit wegwerfen – als wäre die Kugel eckig.
Braucht es noch Diebe, wenn alle ihre Diebschaft erkennen? Kunst ist gestorben, wir sahen ihr Grab – und hoffen dennoch. Die Diebe wurden zu LOB. Denn was soll irgendetwas bringen, wenn es nicht aus dem Bestreben nach Freude entsteht? Kunst in Zeiten von Kriegen ist Gaga, oder eben Dada: Ablenkung von der Realität, Instrument einer Partei, Werkzeug zum Blutvergiessen oder Luxusgut, unbezahlbar für die meisten. Oder sie ist Konzept. Eines, das tiefen Frieden stiftet und uns zurück in Balance bringt. Dann wird sie unzerstörbar.
Unendliches Wachstum kann in jede Richtung gehen – es müsste nicht die zerstörerische sein. Übernehmen wir Verantwortung für unsere Freiheit, dürfen wir auch mitentscheiden. Lieber in der Enklave als zu sehr ein Sklave. Doch wir bleiben von allen Seiten beeinflusst. Konsumenten entscheiden meist erst, wenn längst alles nur noch Suppe ist. Verstärker filtern, Gegner pürieren. Also: auf zu den Wurzeln. Sie in gesunden Boden pflanzen. Widerstand heisst: nicht pürieren, sondern klären. Spüren.
Wie immer, in Liebe –Die Diebe / LOB / DIE DIE BE / Middle of Switzerland / BOLSOM





